
Na dann… nur zu. Nicht reden. Machen. Denn dann ist man schwuppdiwupp in der Realität.
In diesem Beruf wird man mit vielen Vorurteilen konfrontiert und ist definitiv sehr oft Gesprächsthema Nummer eins.
Würde ich für jedes Mal einen Euro bekommen, wenn über mich geredet wird, sässe ich jetzt in Monaco in einer Villa.
Hinter vorgehaltener Hand munkelt man dann sowas wie ‚weißt du was die arbeitet…. oag oag‘.
Auch ist unser Beruf nach wie vor stigmatisiert. Teilweise wird er abgelehnt ‚mit so einer will man nichts zu tun haben‘, teilweise wird er klein geredet ‚wenn man nichts kann, macht man eben die Beine breit‘. Oder man sagt scherzhaft ‚den ganzen Tag Männer hauen- super… das würde ich auch gern‘.
Ähmmmm – nein. Auch das entspricht nicht den Tatsachen.
Des weiteren wird man polizeilich registriert und – trotz 72 Geschlechter – das kann in einem Verfahren negativ ausgelegt werden. Nur eine Nutte halt.
Klingt hart, aber auch in unserem ultra woken Jahrhundert ist dem noch so.
Viele Pflichten. Wenig Rechte.
Selbst beim Eröffnen eines Bankkontos ist es ratsam, den Job zu verschweigen, da es sonst sein kann, abgelehnt zu werden als Kundin. Aus – wie es hiess – ethischen Gründen. Um eventuellen Menschenhandel und Zwangsprostitution zu verhindern. Ja. Genau. Darum wollte ich auch ein Geschäftskonto eröffnen. So weit. So logisch, du Genie.
Der Ausstieg aus dem Business ist ebenfalls problematisch.
Zum einen gewöhnt man sich natürlich an das Geld und die Selbstbestimmung in unserer Arbeit.
Zum anderen klafft eine Lücke im Lebenslauf die man entweder irgendwie durch Lügen zurechtbiegen kann oder es als ’selbstständige, kreative Tätigkeit‘ tarnt.
Eine Freundin meinerseits wurde nachträglich entlassen, als ihr Vorleben aufkam. Dabei tat das absolut nichts zur Sache. Immerhin war das zu dem Zeitpunkt bereits Jahre her.
Der Punkt Beziehung ist sicher auch nicht außer Acht zu lassen. Klar, es gibt Männer die damit umgehen können. Aber nicht allzuviele.
Es ist was es ist. Ein Job. Aber gerade für einen ’normalen‘ Mann der damit bis dato noch keine Berührungspunkte hatte, kann das eine Herausforderung sein.
Und last but not least:
Natürlich schädigt unsere Arbeit auch die Psyche durch mehrere Faktoren. Zum einen bestimmt die intensive Nähe zum Kunden, zum anderen sicherlich die viele Zeit alleine am Zimmer (für viele in einem fremden Land). Daher ist die Fluktuation unter Prostituierten eher hoch. Die meisten hören etwa nach 3 Jahren auf.
Man muss hierfür wirklich gemacht, stark genug und sich der vielen Konsequenzen bewusst sein.
Manchmal ist es halt eher 50 shades of beige als 50 shades of grey, wenn man genauer hinsieht.