Der typische Kunde

Wie sieht er denn nun aus… der typische Kunde?
Es gibt ihn nicht. Wirklich nicht.

Es hält sich trotzdem hartnäckig die Theorie, dass dies Männer sein müssen, die hässlich sind wie der Zins und ohne Geld niemals näher als 3m an eine Frau ran kommen. FAIL!


Ursachenforschung wer zu mir kommt ist wohl sinnlos. Sie kommen alle.
Ganz egal wie alt, ganz egal welcher Status. Von 18-83 Jahren. Vom Pizzaboten bis hin zum C-Promi.
Der Altersdurchschnitt liegt bei etwa 38 Jahren, zumeist in einer Beziehung lebend, zu großen Teilen auch schon Kinder. Mittlerer Verdienst.

Wer wie was? Das lässt sich nicht einfach beantworten.
Es gibt aber ein paar Typen von Kunden die wir des öfteren bei uns zu Gast haben. Ein paar davon habe ich mal zu kategorisieren versucht.

Der Unsympathler
Kennt jeder. Geschlechterunabhängig. Dieser Person möchte man schon eine anschieben, wenn sie einem nur die Hand reicht. In unserem Job immer besonders schwierig, da ja auch unsereins nicht immer gleich gut drauf ist.

Der Fragende
Kennt ihr die Kinder die dauernd irgendwas wissen wollen? Wann sind wir da? Wieso riecht der Opa so? Wo ist mein Hamster?
Mögt ihr die?
Ich auch nicht. Aber hey – es sind Kinder.
Wenn das erwachsene Männer permanent tun, wirds mühsam.
Wie findest du mein Zumpfi? Gefällt dir was du siehst? Hast du noch einen Job nebenbei? Können uns die Nachbarn eh nicht sehen? Ist „er“ gross genug? Magst du das?
Shut.the.fuck.up!!!

Der Alles-Checker
Es spielt keine Rolle ob das gegenüber alt, jung, klein oder gross ist. Wenn ein fescher junger Bursche um 10h mit den Worten „Na, schon scharf auf mich?“ präpotent mitten in meinem Zimmer steht, hat er binnen Sekunden schon verloren. Auch ein „Wie war ich“ ist eher fehl am Platz. Warum? Weil’s wuascht is. Ist ja keine Leistungsschau für Zuchthengste. Vor allem sind diejenigen die soetwas fragen nach einer ehrlichen Antwort sicherlich mehrere Jahre in Behandlung bei einer guten Therapeutin.

Der Retter
Er will unbedingt wissen wie es einem geht, warum man den Job macht, ob man vergeben ist, ob er sich Sorgen machen muss, wo man wohnt, ob man Haustiere hat. Er will ALLES wissen. Er will unbedingt mit den Mädchen befreundet sein. Na klar. Darauf haben die gewartet. Freundschaft. Mit einem Fremden. Und dann bilden wir alle einen grossen Kreis und tanzen, um die Erde zu retten.
HEAST – das geht dich einfach nix an! Mach dir lieber Sorgen um die Kinder in Indien die deine Schuhe zusammen genäht haben.

Der Heilige
„Normalerweise mache ich das nicht.“
Aha. Heut eine Ausnahme für mich?
„Ich liebe Maria wirklich.“
Schon gut, Josef.
Bitte, wen interessiert das?

Der Redner
Er hat alles, er kann alles. Taxler Herbert ist die Krone der Schöpfung und muss das jedem erzählen.
Er liebt seine Frau, seine Kinder. Er hat immer ein Bild dabei, dass er jedem zeigt. Und sehr viele witzige Anekdoten. Die berichtet er jedem. Auch mir. Bürohengst Manuel liebt seine Familie über alles. Danke. Notiert.
Eigentlich ist alles unfassbar schlimm. Um nicht zu sagen Oasch. Fürchterlich wie sein Leben den Bach runter geht. Es wird niemals besser. Steuerberater Anton ist seit Jahren in Therapie. Bei mir.
Darf ich noch eine Line ziehen. Da unten geht eh nix mehr. Weiss ich eh. Will dich nur ansehen. Schön bist du. Kannst du dich mal drehen. Ja. Top. Warte. Ich zieh noch schnell eine. Ich will eh nur reden. Mit dir. Hast eh zeit. Ja? Mhm. Fein. Michael kommt gerade von einem Rave. Der Rave war vor etwa 4 Tagen.
Sie haben eines gemeinsam – sie wollen nur reden.

Der Stammkunde
Nach ihm kann man die Uhr stellen. Manche kommen 3x/Woche, andere monatlich.
Er ist angenehm, freundlich, sieht es als nette Abwechslung zu seinem Alltag und besucht nur sein(e) Stamm-Mädchen. Dies sind zumeist ältere, gepflegte Herren.

Der, der es nicht weiter als bis zu meiner Zimmertür schafft
Meine Selektion beginnt ja schon an der Tür. Es gibt da einen Schlag Menschen, mit denen kann ich einfach nicht. Die haben etwas Gestörtes an sich. Solche, von denen man sich sehr gut vorstellen kann, dass sie eventuell mal negativ in die Schlagzeilen geraten und denen eine Hacke sehr gut stehen würde. Ein Psychopathengesicht eben. Wenn dann noch Fragen auftauchen wie „Bläst du gut?“ oder „machst du mir einen harten Einlauf damit ich alles angacke?“ ist Endstation. Manchmal fragt man sich wirklich…