Ein normaler Tag

Wie war mein Tag heute?
Nun ja, ich schätze mal ‘normal’ für meine Verhältnisse.
Es ist kurz vor Mai und die Männer “looken for love”. Oder – in meinem Fall – for pain. Als Bizarrlady in Wien ist es einfach mein täglich Brot, die Leute zu bespucken, anzupissen, zu beschimpfen oder ihnen gurkengrosse Dinge in den Po zu stecken. Ein Traumjob, wenn man zu Aggressionen neigt und die Diplomatie nicht erfunden hat. Die ganzen Autofahrer, die ich bisher beschimpft habe, wussten das nicht zu schätzen. Meine Kunden dafür umso mehr.

Es ist Montag. 09:45h und ich stehe mit einem Windelfetischisten im “Bständig”: Einkäufe mal anders. Schüchtern lugt er aus der Kabine und deutet mir, ich möge doch bitte etwas näher kommen. Das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen. Ich bleibe also bockig stehen und winke ihn heraus. Er ist ca. 35, laut Ehering verheiratet, trägt eine rosafarbene Gummiunterhose und einen grünen Ralph-Lauren-Pullover. Ich lächle ihn noch boshaft an, bevor ich – trotz seines hektischen Gewinkes – den Kabinenvorhang aufreisse, die Verkäuferin herbeirufe und sie um ihre Meinung dazu bitte. Mit hochrotem Kopf steht er mitten im Laden und wird von mir und der Beraterin gemustert.
Das Reden übernehme ich. Ob es Proben für sehr saugstarke Windeln gibt, da mein Freund hier den Urin nicht halten kann, ob es Windeln mit Klettverschluss gäbe und was sie über die Farbwahl des Gummihöschens denkt.
Absolute Demütigung zum Frühstück. Wie bestellt.

Nach dem Einkauf fahre ich langsam Richtung Laufhaus retour. Dort richte ich mir meine Utensilien für den heutigen Tag her. StrapOn (Umschnalldildo) plus Kondome dafür, Handschuhe (fürs Fisten), Feuchttücher, Küchenrollen, Handtücher und Raumspray.
Dann setze ich mich hin und warte/schlafe/esse/beantworte Kundenanfragen.

Manche kommen mit Termin, viele schlendern vorbei und entscheiden sich spontan. Besonders lustig sind die “Dealer” unter den Kunden. Sie drücken sich ewig lange vor meiner Tür herum, um den richtigen Moment abzupassen, die Klingel zu drücken. Der ist scheinbar dann gekommen, wenn gerade keine andere Person irgendwo in unmittelbarer Nähe ist. Solche Zeitspannen sind scheinbar rar. Dann muss ich ihnen nämlich binnen zwei Sekunden die Tür aufmachen, damit sie rasch reinstürmen können. Verstehe ich natürlich. In einem Laufhaus spazieren zu gehen und sich in die Ecken zu drücken ist ok und ganz unauffällig. Wo anzuläuten ist scheinbar das “ganz oarge” (Zitat, Film “Muttertag”).

12:30h – ich warte auf jemanden mit Niesfetisch. Jawohl. Niesfetisch. Er findet es super, wenn ich niese. 30 Minuten lang. Wie das geht? Nun ja… es gibt ein indisches Niespulver. Damit rotzt man gute 15 Minuten komplett durch. Ich finde es mega spannend, zu erfahren warum und wieso man so einen ausgefallenen Fetisch entwickelt. Je ausgefallener, desto besser.

Um 14h dann wieder etwas sehr Spezielles. Schon mal was von Looning gehört? Der etwas dickliche, kleine Mann steht unheimlich auf Luftballons und Gummireifen. An denen befriedigt er sich. Besonders scharf findet er es, wenn diese quietschen während er sich daran reibt. Für diesen Soundeffekt bin ich da. Ich halte den Reifen oder Ballon, quietsche damit, feuere ihn an mit einer Story über Gummireifen und am Ende lasse ich den Ballon zerplatzen.

Wenn ich mir aussuchen dürfte, was ich am Liebsten mache, dann ist es wohl tease & denial sowie Prostatamassagen und Fusserotik. Meine Signature-Sessions quasi.

Dann herrscht plötzlich tote Hose. Bis 18h. Die Stunden ziehen sich dahin… Ich zappe ein wenig durch die sogenannten „Ratzn-Sender“ – RTL2, ATV2,…

Ab 18h wollen plötzlich Alle. Mein Telefon geht über, vor meiner Tür drängen sich die Leute.
Eh gut. Der Horror ist es ja, wenn sich absolut nichts tut. Ärgerlich wenn man nur herum sitzt. Fenstertage, Ferien oder besonders kalte/heiße Tage sind meistens eine zähe Partie. Ich muss ja meine Miete trotzdem bezahlen.

Nach dem Ansturm folgt ab 20h tote Hose. Ich fahre also langsam nach Hause.
Wichtig in diesem Job: Türe zu, vergessen, durchatmen, umschalten.