Hurenkind!

Sexwork und Kinder. Reizthema für die Meisten. Mir jedoch vollkommen unverständlich. Wieso sollte eine Sexworkerin eine schlechte Mutter sein? Keine Kinder haben dürfen?
Wegen ihres Berufes? Wie oldschool ist das denn bitte? Vor allem sagt das ja überhaupt nichts darüber aus, wie sie mit dem Kind umgeht. Sie ist eine Frau wie jede andere. Viele der Mädchen hier im Haus haben eine intakte Partnerschaft, Kinder und ein ziemlich biederes Privatleben.

Gerade Prostituierte wissen, worauf es ankommt. Es geht nicht darum, sich möglichst „frech und offen“ zu präsentieren. Swingerclubs, Partnertausch, Affairen, oberflächliches Herumschmusen in Clubs und möglichst viele sexuelle Experimente a la Shades of Grey findet man in unserer Berufsgruppe höchst selten im privaten Bereich. Wir sehen und erleben einfach zuviel. Der Beruf ist sehr oberflächlich. Da sollte das Privatleben in keinem Fall ebenso sein. Hier muss man nicht fremdgehen um sich zu beweisen oder sich Komplimente zu stehlen, die man zuhause nicht bekommt. Man weiß was man möchte und was man drauf hat. Das lebt man allerdings am Liebsten zuhause aus. Und nur dort. Promiskuität? Fehlanzeige.
Das Argument, dass das Kind Probleme bekommt wegen des Jobs lasse ich ebenfalls nicht gelten. Erstens müsste es einmal jemand herausfinden und somit zugeben, dass er/sie auf einer entsprechenden Seite gesurft ist.
Zweitens ist es ein ganz normaler Job. Man geht hin, arbeitet, geht abends nach Hause. Ehrlich verdientes Geld.
Last but not least – der Bedarf ist da. Eure Männer, Söhne, Onkel, Opa’s… finanzieren es.

Klar gibt es Berufe die angesehener sind. Niemand möchte, dass seine Mama so einen Job macht. Die Frauen selbst würden ebenfalls lieber etwas anderes tun, jedoch gibt es wenige Jobs, in denen man wirklich gut verdient PLUS Freizeit/Kinder unter einen Hut bekommt. Als alleinerziehende Mutter zum Beispiel mittlerweile fast unmöglich ohne Zweitjob.
Klar, keine muss diesen Job machen. Aber wieso sollte sie nicht? Weil andere es nicht für gut halten?
Wenn man darauf etwas gibt, was ANDERE für gut halten, lebt man im Endeffekt irgendwann einmal DEREN Leben. Und… wer will das schon??
Immer zuerst darüber nachdenken, bevor man mit dem Finger auf jemanden zeigt.