Mein Seelenleben

Ja, ich gebs zu… ich schreibe lieber über witzige Dinge, ziehe mich und andre gern durch den Kakao. Ich wurde nun schon mehrfach darauf angesprochen, mal ernst zu bleiben. Beziehungsweise wurde mir gar vorgeworfen, dass ich „voll gemein bin und es kein Wunder wäre, würden die Männer wegbleiben“. Meine Fresse, sind die wirklich so empfindlich? Vor allem weil ich ja nicht ein böses Wort über meine Kundschaft verloren habe. Mit viel Humor gehe ich meines Weges, suche mir das ein oder andere skurille Detail und berichte darüber. Logisch, dass ich allzu Privates außen vorlasse. Und nein – ich bin definitiv nicht immer gut drauf. Manchmal belastet mich mein Job auch. Natürlich. Es ist eben kein Standard-Job. Es gibt gute und schlechte Tage. Wieso sollte ich solche nicht haben? Nur weil ich sarkastisch aushaue? Weil ich versuche, es cool und humorvoll zu sehen? Jeder hat seine Strategie, wie er in diesem Wald voller Dekadenz und Illusionen überlebt. Ich mach halt das beste draus… by the way ohne Koks und Alkohol.


Wer bin ich also?
Ich bin wie es Meredith Brooks so schön besang „a bitch, a lover, a child, a mother, a sinner, a saint, your hell, your dream“. Ich muss „Viele“ sein. Das ist in meinem Job das Um und Auf. Es sei denn man will ihn nur 8 Monate zur Überbrückung machen. Statt eines AMS-Kurses „Wie bewerbe ich mich richtig“.

An und für sich bin ich 95% der Zeit ein sehr glücklicher, positiver und neugieriger Mensch. Die restlichen 5% entfallen auf die Zeit, wenn ich meine Tage habe. Das bin ich eine aufgeschwemmte, empfindliche, fauchende Katastrophe.
Geduld zählt ohnehin nicht zu meinen Stärken. Ich besitze auch kein „gemäßigtes Temperament“. Ich bin laut und oft cholerisch. Mein Bewegungsdrang ist der eines Huskies. Alles interessiert mich, an allem bin ich dran. Mit meinem Arsch auf 10 Kirtagen zu tanzen ist eines meiner Hobbies. Sagt zumindest meine Mutter – und Mamas wissen bekanntlich alles.
Autos faszinieren mich seit meiner Kindheit. Mir geht regelrecht einer ab, wenn ich ein tolles Auto sehe oder gar fahre. Ich hab mein erstes Auto damals sogar gefickt. Wortwörtlich.
Ein Wort: Schaltknüppel. War ein magischer Moment. Für mich zumindest.
Ich lasse euch kurz alleine mit eurer Fantasie.
Wenn ich nervös bin, kann ich plötzlich nicht mehr geradeaus laufen, geschweigedenn sprechen. Motorisch voll im Arsch. Ich wäre ein lukrativer Fall für „UPS Die Pannenshow“. Abendfüllend. Wenn der Verkäufer in der Obstabteilung richtig, richtig gut aussieht, kann es vorkommen, dass ich ihn frage ob sie auch Syphilis im Angebot haben. Igor hat mir dann über die Schulter zugeflüstert, dass es sich um Physalis handelt. Merkur in 1220 Wien wird seitdem von mir gemieden.
Ich bin eigentlich sehr schüchtern anderen Menschen gegenüber, habe es aber perfektioniert trotzdem selbstbewusst zu wirken. Manchmal wirke ich kalt. Bin ich aber eigentlich nicht. Zugegeben – ich bin relativ desinteressiert am Leben anderer Menschen. Soll jeder tun was er möchte. Meine Meinung dazu gebe ich nur ab, wenn man mich explizit danach fragt. Dann nehme ich mir allerdings auch kein Blatt vor den Mund. Prinzipiell kehre ich lieber vor meiner eigenen Türe. Ich stehe mit beiden Beinen fest im Leben, schupfe alles alleine und brauche grundsätzlich niemanden. Das heisst aber nicht, dass ich nicht hin und wieder eine starke Schulter zum Anlehnen brauche oder mit Verlustängsten kämpfe. Wenn mich Igor in den Arm nimmt, fühle ich mich wahnsinnig sicher und schmelze dahin.
Es ist erstaunlich – hinter der goschaten dritten Frau steht eine ganz normale Person, die irgendwie versucht, ihr Leben zu meistern.
Mit Ängsten, Stärken und Schwächen.